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11) Gedanken über Tauschkreise!

Mein erstes Zusammentreffen mit modernen Tauschgesellschaften war eine Veranstaltung, wo die Initiatoren der „Green Dollar exchange" aus Courtney B.C. Canada ihren Tauschring in nächst gelegene Städte ausweiten wollten. Soviel ich dort herausfand, war diese Tauschgesellschaft von einem Dentisten organisiert worden, der damit seine Ordination finanzieren wollte, was ihm auch gelang. Zahnreperaturen aller Art waren auch so ziemlich das einzige, was man mit diesen grünen Dollars (auf Verrechnungsbasis) außer Rasenmähen und Baby-sitten kaufen konnte, es sei denn man wollte sich ein Horoskop machen lassen für 50 Can$ und 50 grüne Dollars.

Da ich für so etwas nicht einmal 10 Can$ ausgeben würde, keine Baby`s mehr habe und nicht 150 km wegen meiner Zähne irgendwo hin fahren will, lehnte ich es dankend ab, diesem Verein beizutreten und ich war sehr überrascht, als ich später in Margrit Kennedy`s Buch herausfand, daß ich da vermißte als Pionier in die Geschichte der Tauschbewegung einzugehen. Einige Zeit später und da ich schon immer an alternativem Geld Interesse hatte, wollte ich auch bei der Mark Twain Bank mitmachen. Cybergeld. Super! Kein Problem! Ich habe ja einen Computer mit Internetanschluß. Billig einkaufen im Netz! Wunderbar. Die Bank will, daß ich ein Konto aufmache. Auch kein Problem. Aber was will ich eigentlich kaufen?

Ach, da sind ja Angebote im Netz. Schauen wir uns also die Sache erst einmal an, bevor wir uns entscheiden.

Na, das Angebot ist aber reichlich mager! Anscheinend ist wenig Interesse an Kunden vorhanden. Organisches Gemüse habe ich selber und der Anbieter ist einen halben Kontinent entfernt. Der Salat, den ich brauchen könnte, wenn ich selber gerade einmal keinen habe, käme da durch den Transport sehr teuer. Angebotene Vitamine kosten auch genau so viel wie im lokalen Geschäft. Also wieder nichts. Ha, da ist eine Buchhandlung mit reichlichen Angebot. Amazon oder so ähnlich. Schauen wir uns das einmal an. Ja, da ist ein Buch, welches mich interessieren würde. Recht günstig. Nur 12 Dollar! Oh, weh, das sind ja amerikanische Dollars. Schnell umgerechnet. Das sind ja 16 Canadische und da ist ja noch versteckt die Versandgebühr. Noch einmal 5 Dollar. Warten wir lieber und kontrollieren wir, was das Buch lokal kostet. (sie hatten es nicht und mußten es auch bestellen, aber ich hatte es innerhalb von 10 Tagen zum Preis von 18 CanDollar, ohne Versandgebühr)

Oh, das ist ja noch ein Sportgeschäft. Schauen wir, was die zu bieten haben. Leider! Die machen nicht mehr mit.

Ich glaube, ich werde noch etwas warten, bis ich dort ein Konto eröffne...

Aber ich ließ nicht locker. Im Mai dieses Jahres hatte ich Gelegenheit ein „internationales" Tauschkreistreffen in Salzburg zu besuchen, weil ich zu der Zeit gerade Urlaub in Europa machte. Dort mischte ich mich nicht viel ein und beobachtete die Sache mehr vom Standpunkt eines Geldreformers, um herauszufinden, ob da ausbaufähige Grundlagen vorhanden wären, wie sie Irving Fisher in den Tauschbewegungen der Weltwirtschaftskrise gefunden hatte.

Um es gleich vorwegzunehmen, die Hoffnung ist sehr gering, trotz des idealistischen Einsatzes vieler Leute, die auch geldreformerische Anliegen da einbringen. Der Glaube, daß es möglich ist einen allgemeinen Markt ohne realem Tauschmittel nur auf Verrechnungsbasis zu bilden, steht dem entgegen.

Das Entsetzen war riesengroß, als jemand erwähnte, daß die Schweizer Talentbewegung tatsächlich Geld gedruckt hatte. Das ist doch verboten, war die allgemeine Meinung.

Nun, ich kann den Leutchen sagen, daß es ohne einem von vielen Wirtschaftsteilnehmern akzeptierten realen Tauschmittel wie in Wörgl nicht funktioniert und Tauschgesellschaften auf reiner Verrechnungsbasis immer auf den Austausch von sonst auf dem normalen Markt wenig gefragter Güter und Dienstleistungen beschränkt bleiben werden. Rasenmähen und Baby-sitten, Nachhilfestunden, organische Produkte und Verkauf von Horoskopen oder selbstgemachten Kerzen oder Eingemachten sind keine Grundlage für einen funktionierenden Markt.

Die wenigen, die in so einer Tauschgesellschaft wirklich brauchbare Güter und Leistungen einbringen, stehen bei allem Idealismus bald vor dem Problem, was sie für ihre Guthaben eintauschen können. Horoskop gefällig? Oder Zähneziehen? Ja, leider!

Nun sollen zu allen Überfluß auch gerade diese Leute durch die Umlaufsicherung bestraft werden, weil sie ja die einzigen sind, die positive Kontenstände haben. Da hört sich wohl bald der größte Idealismus auf.

Dann scheint es noch ein weiteres Problem zu geben. Mangels eines funktionsfähigen Marktes mit freien Spiel von Angebot und Nachfrage muß man andere Vergleichsmöglichkeiten schaffen und da kamen manche Tauschgesellschaften auf die glorreiche Idee Arbeitsstunden als Abrechnungsmodus einzuführen. Arbeitsstunde gegen Arbeitsstunde!

Nun ein kleines Beispiel dazu: Ich arbeitete da einmal für kurze Zeit an Dachreperaturen und hatte dafür allerlei Werkzeug und einen Lieferwagen. Wenn also ein Mitglied des Tauschringes meine Dienste in Anspruch genommen hätte und ich ihm sagen wir 5 Stunden für eine Reperatur verrechnet hätte und er mir dann seinen Sohn zum Rasenmähen geschickt hätte, der ohne große Lust dann in 5 Stunden meinen Rasen mit meinen Rasenmäher geschnitten hätte, wofür ich selber normalerweise eine Stunde brauche und mir dabei noch Scharten in das Schneidemesser machte, weil er mit dem Rasenmäher über Stock und Stein fuhr und unsere Rechnung wäre dann ausgeglichen? Dabei sind das noch geringfügige Unterschiede. Soll die Arbeitsstunde eine Arztes aus lauter sozialer Gleichmacherei nur so viel wert sein wie die Arbeit eines Jünglings mit zwei linken Händen? Oder findet man da eine Ausnahmeregel, daß der Arzt vielleicht zwei Jünglingsstunden verrechnen darf?

Es ist wohl klar, daß wirklich brauchbare Angebote von Dienstleistungen und Gütern da sehr dünn gesät wären.

Dabei sind durchaus auch positive Aspekte vorhanden, wie eine gewisse Sensibilisierung für Geldfragen. Die Probleme durch den engen Markt bei Verrechnung allein, die früher oder später eine Lösung finden müssen.

In Wörgl wurde mit Hilfe von nur 5,300 Schilling durchschnittlich umlaufendem alternativen Bargeld 3 Millionen Schilling umgesetzt. Man braucht also gar nicht viel Geld oder Geldersatz um Umsätze zu erzielen, die für heutige Tauschgesellschaften nur Wunschträume bleiben werden, wenn sie glauben das auf Verrechnungsbasis allein machen zu können. Nachbarschaftshilfe ist etwas Schönes und die Beschäftigung mit Wirtschaftsfragen im Allgemeinen ist auch ein positiver Aspekt der heutigen Tauschringe. Wenn die Leute erst merken, daß „Buchgeld" kein ausreichender Ersatz für Bargeld ist, könnten sie auch eventuell das ganze „Buchgeld"system in Frage stellen und vielleicht alternatives umlaufgesichertes Bargeld oder bargeldähnliche Verrechnungsscheine oder Bonds akzeptieren. Es würde eine gigantische Ausweitung ihres Marktes ermöglichen.

Die Lösungsmöglichkeiten sind entweder dort zu suchen, wo ein bargeldähnliches Tauschmittel verwendet wird, welches der Staat noch nicht verboten hat oder Teile des Staates, wie in Wörgl einzuschalten nach der Methode: Rußland ist groß und der Zar ist weit (weg).

Wie gesagt, Y2K, Einführung des ungeliebten Euro und Zusammenbruch des Weltwährungssystems könnten da Tore für ein alternatives Tauschmittel öffnen.

Nur sehe ich keinen Weg ohne irgend eine Form von Überbringerpapieren. Diese muß man frei laufen lassen, damit sie der mit dem besten Leistungs und Warenangebot einfangen kann. Er wird sie ja nicht behalten, besonders wenn sie umlaufgesichert sind sondern sie weitergeben zu dem mit dem nächstbesten Angebot. Der macht dasselbe und der Nächste und der Nächste.

Da jeder, Tauschringmitglied oder nicht, der so einen Schein als Zahlung annimmt, das größte Interesse daran hat, ihn nicht einfach gegen Gebühr bei der nächsten Umtauschstelle wieder gegen Nationalbankgeld einzutauschen ,(und diese Möglichkeit muß gegeben sein, weil sonst niemand außerhalb des Tauschkeises ihn annehmen würde) kann sich so der Umlauf ausweiten. Wenn das Nationalbankgeld entweder durch Deflation oder durch starke Inflation seinen Dienst als Tauschmittel nur mangelhaft erfüllt, hat dann die Sternstunde des alternativen Tauschmittels geschlagen.

 

 

12) Preise, Preise und wie sie sich bilden.

Wir sind dauernd von Preisen umgeben. Die Hausfrau muß täglich versuchen die günstigsten Preise herauszufinden für das Essen, welches sie ihrer Familie auf den Tisch stellen soll. Zeit seines Lebens muß jeder herausfinden wie er seine Dienstleistung zum günstigsten Preis verkaufen kann um dann seine Lebensnotwendigkeiten zu günstigsten Preisen zu erstehen. Das ganze Leben ist voll von Preisvergleichen und trotzdem macht sich kaum jemand Gedanken wie sich die Preise bilden.

Der Preis eines Gutes oder einer Dienstleistung ist normalerweise etwas was in Tauschmitteleinheiten ausgedrückt wird. Etwas kostet so und so viele Dollars, Mark oder Pesos. Das ist sein Preis. Und man bekommt für seine Leistung so und so viel Geld. Man nennt das vielleicht Lohn oder Einkommen aber in Wirklichkeit ist das auch der Preis, den jemand willig ist für diese Leistung zu bezahlen.

Es hat alles seinen Preis ist ein altes Sprichwort, aber das besagt nicht viel wenn man nicht auch feststellt, wie dieser Preis gebildet wird und welchen Preis das hat, was als Preismaßstab für eine Vielzahl von Gütern und Dienstleistungen verwendet wird, unser Geld?

Während nun jedermann das sogenannte Gesetz von Angebot und Nachfrage für alle normalen Güter anerkennt und ganz klar sieht, daß viele angebotene Eier bei geringer Nachfrage den Preis der Eier drücken und umgekehrt je nach Saison Eier teurer sind wenn im Winter die Hennen nicht legen, hakt beim Geld diese Erkenntnis aus. Mehr Geld soll da auf einmal nicht billigeres Geld, also Geld , welches weniger wert ist bedeuten und weniger Geld soll nicht bedeuten, daß dieses dann mehr wert ist.

Da stimmt doch etwas nicht! Wer will uns da für blöd verkaufen? Und warum?

Da erzählen sie uns, daß Geld sowieso keine Rolle mehr spielt und alles durch Kredit oder Buchgeld geregelt wird. Klar, dann spielt es auch keine Rolle wie viel oder wie wenig man davon druckt." Money does not matter!" Das ist die Parole aller Geldverfälscher.

 

 

13) Kapital und Kapitalismus.

Fangen wir mit Kapital und Irving Fisher an. Er suchte einmal 73 verschiedene Definationen von Kapital zusammen. Es gehört schon ein eigenartiger Sinn für wissenschaftliches Detail dazu so etwas zu tun und ich will niemand damit langweilen, besonders weil alle diese Definationen einen grundlegenden Fehler haben. Otto Valentin zeigte diesen Fehler auf, wobei er aber wenigstens nur fünf der gebräuchlichsten Definationen von Adam Smith, Ricardo, John Stuart Mill und andere gebrauchte, aber auch die werde ich nicht anführen, denn sie alle haben denselben Fehler, wie Otto Valentin schreibt:

(Überwindung des Totalitarismus Seite63)

Zusammenfassend ist zu sagen: Die Berufsökonomen sind sich wohl nicht ganz darüber einig, welche Sachen als Kapital anzusehen sind; darüber aber , daß das Kapital eine Sache sei, herrscht allgemeine Übereinstimmung. Auch Karl Marx. der dieser „Sache" ein mehrbändiges Werk gewidmet hat, macht keine Ausnahme.

Ist das Kapital aber wirklich eine Sache?

Nach der gewonnenen Erkenntnis, daß jeder Zins in einem Monopol wurzelt, offenbar nicht! Wenn Kapital eine Sache wäre, dann müßte man Kapitalien addieren können, eine doppelte Kapitalmenge müßte dann ganz natürlich auch den doppelten Zinsertrag abwerfen. Das trifft aber, wie wir erkannt haben, absolut nicht zu. Ganz im Gegenteil. Die Sachkapitalien werfen nach unserer Erkenntnis nur deshalb einen Zins ab, weil sie - durch das heutige Geld - dauernd knapp gehalten werden, was eine Konkurrenz beschränkung und demzufolge einen Zins bewirkt.. Nur die Knappheit - im Verreine mit der Unentbehrlichkeit - begründet die Kapitaleigenschaft eines "Erwerbsmittels". Zwei Fabriken sind nicht immer doppelt so viel wert wie eine, zwei Miethäuser nicht immer doppelt so viel wie eines.

Denn je mehr „produzierte Erwerbsmittel" hergestellt werden, um so tiefer sinkt - wegen der dann gesteigerten Konkurrenz - ihr Zinsertrag, um so mehr verlieren sie ihre Kapitaleigenschaft.

Bei genügender Vermehrung vermag ihr Ertrag sogar auf 0 zu sinken, und damit verlieren sie ihre Kapitaleigenschaft gänzlich. Ein Wohnhausblock etwa, der infolge eines Überflusses an Wohnungen keinen Kapitalzins mehr abwirft, hat aufgehört, Kapital zu sein.

Praktisch konnte es bisher allerdings zu einer derartigen Kapitalfülle niemals kommen, weil das heutige Geld bei sinkenden Sachzins die Investition verweigert und auf diese Weise die Sachgüter dauernd knapp und zinstragend hält. Rein äußerlich gesehen ist also Kapital „zinstragendes Gut". Seinen Wesen nach ist aber Kapital keine Sache, wie man geglaubt hat, überhaupt nichts Greifbares, sondern ein Z u s t a n d, und zwar ein Knappheitszustand.

*

 

Aus unserer Defination des Kapitals als eines monopolbedingten Knappheitszustandes läßt sich auch der Begriff des Kapitalismus ableiten, und zwar des Kapitalismus im engeren und weiteren Sinn.

Kapitalismus in engeren Sinn ist eine Wirtschaftsordnung, in der die Knappheit an Leihgeld und Gebrauchsgütern (den „produzierten Erwerbsmitteln") den Geld- und Sachzins bedingt. Kapitalismus in diesem Sinn ist daher als Zinswirtschaft, als Monopolismus, als dauernde Mangel- und Ausbeutungswirtschaft zu übersetzen. Kapitalisnus in diesem Sinn ist eine rein geldliche Angelegenheit, begründet im Geldstreikmonopol.

Als Kapitalismus im weiteren Sinn ist jede auf Monopolen begründete und daher von vorneherein auf Ausbeutung abgestellte Wirtschaftsordnung anzusehen, sei es, daß sie den durch das natürliche Bodenmonopol verursachten Bodenzins (Grundrente) in private Taschen fließen läßt, sei es, daß sie Wettbewerb und individuelle Wirtschafts- betätigung durch künstliche Monopole einschränkt oder gar ausschließt. Daraus folgt , daß der Feudalismus der Vergangenheit nicht minder kapitalistisch war als es die neuentstandenen totalitären Wirtschaftsformen sind, die den individuellen Wettbewerb zu Gunsten eines allgemeinen staatlichen Wirtschaftsmonopol unterdrücken und damit die Ausbeutung staatlich organisieren. „Kapitalismus" ist also in jedem Falle zu übersetzen mit „Monopolismus"

Zum besseren Verständnis des vorigen Auszuges sollte man den Monopolbegriff Otto Valentins kennen. Für ihn ist auch ein Monopol keine „Sache" sondern die Abwesenheit von etwas. Nämlich der Konkurrenz, die ausgeschaltet ist. Nur die Konkurrenz, eventuell auch die Konkurrenz von Ersatz, wenn das Monopolgut, wie zum Beispiel das staatliche Geld absolut keine Konkurrenz hat, kann einem Monopol entgegengestellt werden. Gegen das Geldstreikmonopol, wie es Otto Valentin bezeichnet, helfen keine wie immer gearteten Gesetze oder Verbote. So war das Zinsverbot der römisch-katholischen Kirche völlig machtlos, wie auch heute das an sich noch immer bestehende Zinsverbot für einen Moslem recht einfach umgangen wird. Von einem Nichtmoslem darf er sowieso Zins fordern und bei einem Moslem nennt man es dann einfach Gewinnbeteiligung.

 

 

14) Gedanken über Inflation und Deflation und deren Folgen.

Vorausbemerkt sei, daß ein freier Markt, in dessen Folge es immer weiter gehende wirtschaftliche Arbeitsteilung unter den Menschen, Entwicklung der Zivilisation, Welthandel und weltweite Ausbreitung der Arbeitsteilung unter den Völkern ohne Tauschmittel nicht gibt und nicht geben kann.

Deshalb ist es verwunderlich, daß meines Wissens nur ein Historiker die Zusammenhänge untersucht hat, die der periodische Zerfall des Tauschmittels auf die Geschichte der Menschheit hatte. Es ist der Schweizer Fritz Schwarz. Seine geschichtliche Studie „Segen und Fluch des Geldes in der Geschichte der Völker" blieb aber weitgehendst unbekannt und völlig ohne Resonanz unter den Historikern in den Universitäten der Welt. Der Grund dafür ist durchsichtig und einleuchtend. Die zwei Bände sind ein revolutionärer Zündstoff und würden die heiligen Elfenbeintürme von Akademia empfindlich stören. Da ist es besser, man ignoriert sie solange man kann und betreibt weiter Geschichtsforschung nur im Interesse der jeweiligen Sieger und der jeweils herrschenden Klasse und plagt Generationen von Schülern mit nutzlosen Jahreszahlen von Kriegen und Schlachten.

Wir wollen hier nicht die ganze Arbeit von Fritz Schwarz wiederholen sondern nur kurz den roten Faden aufzeigen, der sich wie ein gewundener Pfad durch die ganze Geschichte der Menschheit zieht. Es ist der Einfluß des Geldes auf die wirtschaftliche Arbeitsteilung und damit auf die Zusammenarbeit der Menschen.

Was passiert als unausbleibliche Folge bei Inflation? Was bei Deflation?

Nun, bei Inflation (Aufblähung der Geldmenge) ist die Sache recht klar und wir haben diese Situation seit dem zweiten Weltkrieg fast ununterbrochen miterleben dürfen. Leichte Inflation treibt das Geld auf dem Markt und es wird gekauft und auch investiert solange es lukrative Anlagen gibt. Die Wirtschaft blüht und gedeiht und kaum jemand bemerkt den Pferdefuß der zinsbedingten Umverteilung von arm zu reich, besonders dann nicht, wenn sich die wirkliche Armut nur in Ländern der dritten Welt zeigt. Wenn Sachkapitalüberfluß den Zinssatz zu drücken beginnt und die Wirtschaft zu stocken anfängt, kann man dem mit allen möglichen Methoden der Kapitalvernichtung und Verhinderung von Kapitalbildung entgegen treten, bis zum Krieg als Kapitalvernichtung. Das wird auch weitgehend und wurde im ganzen Lauf der Menschheitsgeschichte so gemacht und jeder Herrscher, dem die Historiker dann den Beinamen „der Große" verliehen haben, hat Inflation betrieben und hat durch siegreiche Kriege das Kapital seiner Gegner zerstört.

Wie heute Geldkapital knapp gehalten wird trotz des ungeheuren Umverteilingsmechanismus des Zinses ist recht bezeichnend. Da leihen die Banken und deren Geldgeber, gegen hohe Zinsen natürlich, auch den wackligsten Despoten der dritten Welt ungeheure Summen und wenn diese dann nicht einmal mehr die Zinsen dafür zahlen können, geschweige denn an eine Rückzahlung denken können und trotz Stützung durch die Geldgeber womöglich von der eigenen unterdrückten Bevölkerung verjagt werden, gibt es ein großes Geschrei und die Steuerzahler der Industrieländer werden wieder einmal zu Gunsten der Spekulanten zur Kassa gebeten.

Manchmal, und besonders seit es eine echte Edelmetallwährung nicht mehr gibt, wird auch das Tauschmittel und damit die Arbeitsteilung als produktiver Faktor durch eine Hyperinflation zerstört und gleichzeitig damit das Geldkapital. Das Geld wird dann so wertlos, daß niemand es als Tauschmittel annehmen will und damit kommt die Arbeitsteilung genau so zum Erliegen wie bei

15) Deflation.

Hier verringert sich die Geldmenge und viele Waren und Dienstleistungen finden keinen Absatz mehr, oder nur zu stark gedrückten Preisen. Heute wird dem vielfach einfach durch Neuausgabe von zusätzlichen Geld dagegen gesteuert aber früher mit Silber oder Goldwährung gab es diesen Ausweg nicht. Die Folge war oft Jahrhunderte andauernde Stagnation bis durch irgend einen geschichtlichen Zufall wie der Goldzufluß aus der neuen Welt der Bann gebrochen wurde. - Im Zeitalter der Gotik waren es die Brakteaten, die den Bann brachen und Alexander der Große brach ihn indem er das nutzlose Gold der Pallas Athene zu Münzen schlagen ließ. Die Römer brachen ihn mit ägyptischen Gold.

Es ist dabei nicht die tatsächliche Menge des vorhandenen Geldes ausschlaggebend, sondern die stetige Verringerung dieser Menge. Diese Verringerung verursacht sinkende Preise und je mehr Geld vom Markt verschwindet desto tiefer sinken die Preise in Allgemeinen. Sinkende Preise machen aber den Handel unmöglich und ohne Handel gibt es keine Arbeitsteilung. Kein Kaufmann kann Waren einkaufen, wenn die Preise der Waren sinken und kein Erzeuger kann produzieren, wenn die Kaufleute nicht kaufen und natürlich kann er seine Arbeiter auch nicht halten, wenn der Absatz für die Produkte fehlt, die sie erzeugen. Das sind so einfache Zusammenhänge, daß es einem wirklich wundern muß, warum unsere Wirtschaftssachverständigen sie nicht verstehen oder verstehen wollen und sogar von einer notwendigen Reflation des Geldes reden, worunter sie eine Inflation verstehen. Das ist aber, vom erreichten niedrigen Preisstand aus gesehen Inflation mit allen seinen üblen Folgen genau so wie im umgekehrten Fall eine Rückführung von Preisen auf einen früheren niedrigen Stand Deflation ist.

Wenn aber die Wirtschaftsfachleute es nicht verstehen, woher sollten die Historiker es dann nehmen und wie sollen wir dann jemals aus der Geschichte lernen? Da ist es leicht weise Sprüche wie den auf die Menschheit loszulassen. „Wer nicht aus der Geschichte lernen will, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen."

Ich erinnere mich nicht mehr, wer diesen weisen Ausspruch getan hat, aber eines ist sicher, auch er hat die Zusammenhänge nicht aufgezeigt.

 

16) Die Waage

 

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Das ist die vorläufig letzte Fassung der Waage, die das Gesetz von Angebot und Nachfrage in Bezug auf das Geldwesen darstellt. Die bereinigte Quantitätstheotie des Geldes als Graphik.

Die durchschnittliche Umlaufgeschwindigkeit wird durch die Hebelwirkung der beweglich angebrachten Geldschale dargestellt. Die Fläche auf der sie läuft stellt dar, daß die Handelsgewohnheiten eine gewisse Trägheit der durchschnittlichen Umlaufgeschwindigkeit bewirken und das ist dargestellt durch den Ruhepunkt zwischen zwei Erhebungen, der erst durch Schrägstellung der Waage bei allgemeinen Preisveränderungen überwunden wird. Mehr so und leichter in Richtung Deflation, wo der Widerstand gegen eine Verlangsamung immer geringer wird, während sich bei Inflation leichter neue Gleichgewichtssituationen ergeben können.

 

 

17) Erster Verfallsgeldvorschlag  

Dies ist, nur leicht redigiert der erste Vorschlag , den ich zur technischen Durchführung der Umlaufsicherung machte. Er wurde seither von einigen jüngeren Anhängern Gesells akzeptiert, wurde aber sonst von den Theoretikern links liegen gelassen. Der Grund dafür dürfte der sein, daß man dann keine Ausrede mehr hat, endlich etwas zu tun und nicht nur zu theoretisieren.

 

Liebe Newmoneys:

Der Hans aus Canada hat wieder einmal neue Meldungen!

Wie ihr wisst beschäftige ich mich mit den alten alternativen Geld, wie das von Wörgl und Wära und anch mit den Brakteaten des Hochmittelalters. Nicht nur mit den reinen geschichtlichen Tatsachen sondern auch mit dem warum und wieso.

Als ich gerade darüber nachdachte wie die Brakteaten über dreihundert Jahre funktionierten und die Blüte des Hochmittelalters mit seinen Städten, Schlössern und gotischen Domen hervorbrachten, traf es mich wie ein Blitz.

Die Brakteaten waren Silberplättchen (Münzen) die anfänglich einmal im Jahr und später ein zweites Mal bei jeden Herrschaftswechsel gegen eine Gebühr von 20 bis 25% umgetauscht wurden.

Das war natürlich extrem und trotzdem funktionierte es für 300 Jahre. Da war also am Anfang ( ich glaube es war Lichtmess) ein fixes Datum für den Umtausch vorgesehen und es funktionierte.

Das Geld wurde also trotz der hohen Umlaufgebühr, wie wir es heute nennen würden (damals nannten sie es Schlagsatz) verwendet. Heute würde ein Geld mit einer Umtauschgebühr von nur 5% sicherlich keine Schwierigkeiten haben, besonders wenn es mit einer Kaufkraftgarantie versehen wäre. Die Brakteaten hatten nicht einmal das und wurden deshalb wegen der dadurch verursachten Teuerung (sprich Inflation) aufgegeben, als die Münzherren dazu übergingen es öfter als einmal im Jahr zu "verrufen". Die Leute wußten damals eben auch nicht , was sie taten. Das alte Lied vom Heller und vom Batzen beweist übrigens, daß damals neben den Brakteaten auch anderes Geld im, wenn auch schleppendem, Umlauf war. Laßt euch also von niemand erzählen, daß die Leute auf andere Gelder ausweichen würden. Sie taten es damals auch nicht. Auch nicht auf Handelswechsel, die damals durchaus schon verwendet wurden.

Nun, wie sollten unsere heutigen Brakteaten ausschauen, welche die Fehler der alten vermeiden sollen?

Einfach! Sie sollen von Anfang ihrer Ausgabe ein Verfallsdatum aufgedruckt oder aufgeklebt haben. Bei der Erstausgabe sollten die Daten vom ersten Monat des nächsten Jahres bis zum letzten Monat so gestaffelt sein, daß jedes Monatsende ungefähr ein zwölftel der Geldmenge verfällt und gegen eine 5% Gebühr für Noten mit einem Verfallstag ein Jahr in die Zukunft umgetauscht werden muß. Technisch kann man das auch mit einem Aufkleben eines neuen Verfallsdatums tun.

Dies würde eine Jahrend oder auch eine Stockung zu jeden anderen Zeitraum vermeiden. In der Praxis würden die Noten wahrscheinlich anfangs mit einem Verfallsdatum zwei Jahre in die Zukunft herausgegeben werden, wenn das in alternativen Rahmen gemacht würde. Nur bei einer Gesamtumwechslung wäre die Zwölftellösung notwendig. Allerdings sollte auch bei einer schrittweisen Einführung für eine gewisse Staffelung gesorgt werden. Aber das würde fast automatisch geschehen, wenn man das neue Geld nur nach und nach in die Wirtschaft fließen ließe. Bei einer alternativen Zweitwährung ergäbe es sich genau so.

Was wäre der Vorteil gegenüber anderen vorgeschlagenen Methoden einer Umlaufsicherung?

Nun, gegenüber dem Markerlkleben, wie sie der Wära oder in Wörgl oder  bei stamp script war, augenscheinlich! Gegenüber des Seriengeldes oder der Doppelwährung ebenso, weil es für die einfachen Menschen viel leichter durchschaubar ist und außer dem Verfallsdatum keinen Unterschied zum bisherigen Geld erkennen ließe. Es würde sich praktisch um etwas handeln, was alle Leute in Grenzgebieten automatisch tun und was jeder Urlauber im Ausland schon getan hat. Es handelt sich nur darum, zwei verschiedene Währungen, die einen Wechselkurs haben zu verwenden. Der Wechselkurs MUSS sein, weil das Freigeld, selbst wenn es als alternatives Geld (oder vielleicht sollte man es dann als Kredit bezeichnen) herausgegeben wird, kaufkraftbeständig sein muß. Die jeweilige Rückgabe der abgelaufenen Geldscheine brächte wesentlich weniger Umstände als bei den Brakteaten. Die mußten immerhin umgeprägt werden. Wenn also jemand mit einem abgelaufenen Schein zum Kaufmann kommt, wird ihm der die fünf Pozent abziehen, vielleicht würde er zumindest einen Teil der Gebühr verlangen und aushandeln, wenn der Schein fast abgelaufen ist. Es wird davon abhängen, wie sehr er erpicht ist das Geschäft zu machen. Auf alle Fälle ist aber durch die Umtauschgebühr die Vormachtstellung des Geldes gebrochen und Käufer und Verkäufer stehen einander nun ohne Vorteil oder Nachteil ebenbürtig gegenüber.

Der größte Vorteil aber wäre, daß diese Methode die alternative Einführung in kleineren Rahmen wesentlich vereinfachen würde. Selbst der notwendige Wechselkurs wäre einfacher machbar. Man braucht ihn nur verlautbaren. Psychologisch wirksam wäre es, wenn man als Basisjahr für den Lebenshaltungskostenindex ein Jahr in der Vergangenheit wählt welches gerade einen doppelten Wert des neuen Geldes ergäbe.

Dies sollte eigentlich genügend Anhaltspunkte geben und wenn jemand noch andere Denkanstöße braucht, kann er sie in meinen englischen Beiträgen finden.

Bedenkt jedenfalls, daß so ein Geld, welches auch teilweise von kleinen und kleinsten Herrschern herausgegeben wurde 300 Jahre lang funktioniert hat mit Resultaten, die wir noch heute bewundern können.

Erzählt mir also ja nicht, daß es unmöglich funktionieren könnte. Druckt lieber so ein Geld und fangt an damit zu tauschen. Der Rest ergibt sich dann von selbst.

Ich habe mir auch schon Gedanken darüber gemacht, wie sich der Wechselkurs zum alten Geld auswirken würde, wenn das andere Geld extrem inflationiert würde und kam bald darauf, daß es da deshalb keine Schwierigkeiten geben würde, weil niemand das Freigeld horten würde und von einen Tag zum anderen würde sich der Wechsekurs nur geringfügig ändern. Jedenfalls wären es nicht mehr als die 5% Umtauschgebühr. Die Ausgabestelle, wer immer es ist, ist also abgesichert und kann den Umtausch auf alle Fälle durchführen, wenn man auch annehmen kann, daß niemand erpicht sein wird wertbeständiges Freigeld (oder Gesellkredite :-)) gegen inflationiertes Geld umzutauschen. Es würde auch keine großen Horte geben, die beim plötzlichen Verlangen nach Umtausch die Ausgabestelle in Schwierigkeiten bringen könnte.

Da, wie Wörgl bewiesen hat, umlaufgesichertes Geld im Durchschnitt zwanzig mal so schnell umläuft als nicht umlaufgesichertes, braucht man ja auch nur 5% der bisherigen Bargeldmenge. Das sogenannte "Giralgeld" welches sogar jetzt nur ein zehntel der Umlaufgeschwindigkeit von Bargeld hat, wird zur Bedeutungslosigkeit bei eins zu zweihundert und weniger verblassen.

Im Falle einer Deflationierung des anderen Geldes gäbe es noch viel weniger Schwierigkeiten, weil im Wert steigendes Geld den Markt ohnehin verlassen und so kampflos dem Freigeld die Alleinherrschaft einräumen würde.

Das ist es! Die Sache ist so einfach, daß wahrscheinlich deshalb noch niemand darauf gekommen ist, weil sie eben so einfach ist. Da muß sich erst der einfache Hans Gedanken über die Brakteaten machen und sich dann schlafen legen und der Intuition (oder seinen Schutzengeln) Zeit geben, das Problem zu lösen.

Also hier ist das Resultat. Jetzt liegt es an euch daraus etwas zu machen. Ich möchte einmal ein bißchen rasten, wünscht

Hans aus Canada

 

 

18) Wie erklärte Silvio Gesell den Zins?

Das folgende ist einer der wichtigsten Ausschnitte von Silvio Gesells NWO in der er den Zusammenhang zwischen den von ihm erkannten Urzins, der durch die Überlegenheit des Geldes gegenüber den damit zu tauschenden Waren und Dienstleistungen sich ergibt und dem Sachkapitalzins erklärt:

///„Die Ware wird mit Geld gekauft und, mit Urzins belastet, an den Verbraucher gegen Geld wieder verkauft. Und mit dem Verkauf der Ware ist das Geld wieder frei für einen neuen Beutezug. (1) Das ist der wirkliche Inhalt der Marxschen Formel G.W.G.' *)

Der Urzins, den das Geld auf solche Weise von den Waren erhebt, ist also keine

einmalige Beute. Der Urzins ist eine dauernd sprudelnde Quelle, und die Erfahrung von Jahrtausenden zeigt, daß man mit einer durchschnittlichen Beute von 4 oder 5% des jährlichen Umsatzes rechnen kann.

Der Zins, den der Kaufmann in unmittelbarem Verkehr mit der Ware von dieser

erhebt, - das ist der wahre und volle Urzins. Das, was der Kaufmann seinem Gläubiger von diesem Zins abliefert, das ist der Urzins abzüglich Erhebungskosten. (2) Wie auch das Wegegeld, daß der Wegbaumpächter an den Staat abliefert, nicht das volle Wegegeld ist.

Wenn man nun mit dem Geld Ziegelsteine, Kalk, Träger usw. kauft, nicht, um diese

als Ware wieder zu verkaufen, sondern um ein Miethaus zu bauen, so verzichtet man

freiwillig auf die Wiederkehr des Geldes, auf die sprudelnde Zinsquelle. Man hat dann wohl ein Haus, aber kein Geld, keine Zinsquelle. Aber auf ein solches Kleinod verzichtet man selbstverständlich nur unter der Bedingung, daß das Miethaus nun seinerseits den Zins einbringen wird, den das zu seinem Bau nötige Geld erfahrungsgemäß jederzeit im Warenhandel einbringt. Kann das Geld von den Waren aufs Jahr verteilt, 5% erheben, so muß auch das Haus von den Mietern, das Schiff von den Frachtgütern, die Fabrik von den Löhnen (3) die gleiche Abgabe erheben können, sonst bleibt das Geld einfach auf dem Markte bei den Waren, und das Haus wird nicht gebaut.

Das Geld stellt also für das Zustandekommen eines Hauses, einer Fabrik usw. die

selbstverständliche Bedingung, daß das Haus von den Mietern, die Fabrik von den

Arbeitern, das Schiff von den Frachten denselben Zins zu erheben vermag, den es selber von den Waren jederzeit einziehen kann. Kein Zins = kein Geld für Häuser, Fabriken, Schiffe. Und ohne Geld, wie soll da jemand die tausend verschiedenen Gegenstände zusammentragen und zusammenfügen, die für ein Schiff, eine Fabrik, ein Haus nötig sind? Es ist ganz undenkbar, daß ohne Geld ein Haus usw: zustande komme. Und so besteht auch das Grundkapital jedes kapitalistischen Unternehmens aus einer Summe Geldes. Für alle die Millionen Miethäuser, Fabriken, Schiffe usw. gilt das Wort: Im Anfang war das Geld.

Wenn aber das Geld sich nicht hergibt für den Bau von Häusern, falls diese nicht

den gleichen Zins, den das Geld von den Waren erhebt, erzielen können, so ruht die

Bautätigkeit, und der alsbald einsetzende Mangel an Häusern treibt dann den Mietzins herauf, genau wie der Mangel an Fabriken den Lohn drückt.

Also muß es gesetzmäßig dahin kommen, daß die Häuser, Schiffe Fabriken, kurz, das gesamte sogenannte Realkapital den gleichen Zins einträgt, den das Geld dem Warenaustausch als Urzins aufbürden kann.

Die Häuser, Fabriken, Maschinen usw. sind Kapital. Sie erheben den Zins nicht

wie die Ware als Kassenbote, um ihn an den Geldbesitzer abzuliefern, sondern für den Besitzer des Hauses. Aber diese Macht stützt sich nicht auf Eigenschaften dieser Dinge, sondern darauf, daß das Geld, genau wie bei den Waren, die Marktlage für die Erhebung des Zinses vorbereitet. Das Verhältnis der Wohnungen zu den Mietern, der Schiffe zu den Frachtgütern, der Arbeiter zu den Fabriken, wird vom Geld immer künstlich, gesetz- und zwangsweise so gestaltet, daß die Mieter und Arbeiter (die Nachfrage) einem ungenügenden Angebot (Wohnungen, Fabriken) gegenüberstehen.

Das herkömmliche, vom Staate verfertigte Geld (Tauschmittel) schützt alle vorhandenen Häuser vor einem den Zinsertrag schmälernden Mitbewerb neuer Häuser.

Das Geld wacht mit Eifersucht darüber, daß seine Geschöpfe nicht entarten. Geld wird immer nur zum Bauen von so viel Häusern hergegeben, daß deren Zinsertrag nie unter den Urzins fallen kann. Dies wird durch eine jahrtausendelange Erfahrung bestätigt.

Das sogenannte Realkapital (Sachgut) ist also eigentlich nichts weniger als real. Das Geld allein ist das wirkliche Realkapital, das Urkapital. Alle anderen Kapitalgegenstände (Sachgüter) sind durchaus von der Beschaffenheit des Geldes abhängig, sind dessen Geschöpfe, sind vom Geld in den Adel-, in den Kapitalstand erhoben worden. Nimmt man dem Geld das Vorrecht, dem Volk den Bau neuer Häuser zu verbieten, reißt man das Wehr ein, das vom Geld zwischen den Arbeitern und den sogenannten Realkapitalien errichtet wird, so wächst das Angebot dieser Dinge, und sie verlieren ihre Eigenschaft als Kapital. (7)

Es klingt ja fast ungeheuerlich, und man muß seiner Sache sicher sein, wenn man die Behauptung aufstellt, daß die Häuser, Fabriken, Schiffe, Eisenbahnen, Theater, Elektrizitätswerke, kurz, das gewaltige, düstere Meer, das man z. B vom Berliner Kreuzberg aus überschaut, nur darum Kapital ist und Kapital sein muß, weil das Geld Kapital ist. Dieses ungeheure Meer, das sicherlich das Geldkapital 100 mal überragt, brächte nur darum Zins ein, weil das Geld es so will? Das klingt doch gewiß unwahrscheinlich.

Aber das Unwahrscheinliche erscheint uns sofort ganz annehmbar, wenn wir bedenken, daß unser herkömmliches Geld uralt ist, daß es seit 3-4000 Jahren ganz selbsttätig und gesetzmäßig den Bau von Häusern usw. immer künstlich so weit beschränkte, daß die Nachfrage stets größer als das Angebot war und so die Häuser Kapital blieben.

Um das Unwahrscheinliche zu begreifen, müssen wir an die wirtschaftliche Eiszeit, a1s die wir das Mittelalter bezeichneten, an die tausend Wirtschaftskrisen denken, die das Geld seitdem erzwungen hat. Die Milliarden und Abermilliarden an Realkapital, die im Laufe der Zeit durch erzwungene Arbeitslosigkeit nicht erstanden sind, erklären das Unwahrscheinliche.

Der Mangel an Häusern, Schiffen, Fabriken usw., der im Zinsertrag dieser Gegenstände in die Erscheinung tritt, ist das Ergebnis einer seit Jahrtausenden ununterbrochen wirkenden Ursache.

Wenn die Volksmassen während der Krisenjahre 1873 bis 1878, statt zu feiern und zu hungern, Häuser und Maschinen hätten bauen dürfen, ob da nicht unter dem Drucke des Angebots der Hauszins gefallen wäre? Und das waren nur fünf Jahre! Dabei darf man nicht vergessen, daß die anderen Ursachen der Wirtschaftskrisen, die wir im ersten Teil des Buches besprachen, unabhängig vom Zins in der gleichen Richtung (Beschränkung und Verhinderung des Tausches) wirken.

Es ist also klar: das sogenannte Realkapital muß Zins abwerfen, weil es nur durch

Ausgeben von Geld zustande kommen kann, und weil dieses Geld Kapital ist. Das sog. Realkapital besitzt nicht, wie das Geld, eigene zinserpressende Machtmittel. Es handelt sich bei diesen sogenannten Realkapitalien, genau wie bei den Waren, um vom Geld eigens zu diesem Zweck geschaffene und erzwungene Marktverhältnisse, um eine selbst- tätig wirkende, künstliche Beschränkung in der Erzeugung sogenannter Realkapitalien, so daß deren Angebot niemals die Nachfrage decken kann.

Gesetzmäßig erzeugt das herkömmliche, vom Staate abgestempelte und verwaltete Geld durch erzwungene Arbeitslosigkeit die besitz- und obdachlose Menge, das Proletariat, dessen Dasein die Voraussetzung für die Kapitaleigenschaft der Häuser, Fabriken, Schiffe ist.

Das Geld ist für das Zustandekommen dieser Sachgüter (Realkapitalien) unentbehrlich, und ohne Zins gibt es kein Geld. Ohne Proletariat (4) gibt es aber kein Realkapital. Folglich muß auch die Unentbehrlichkeit des Geldes das für den Zins der Realkapitalien und den Umlauf des Geldes unentbehrliche Proletariat erzeugen.

Das Geld schafft das Proletariat, nicht weil die Zinslasten das Volk um Hab und Gut

bringen, sondern weil es das Volk gewaltsam daran hindert, sich Hab und Gut zu schaffen.

Man braucht also für die Herkunftserklärung des Proletariats nicht zu dem verzweifelten Ausweg der sogenannten geschichtlichen Erklärung zu greifen, denn das Proletariat ist eine gesetzmäßig sich einstellende Begleiterscheinung des herkömmlichen Geldes. Ohne Proletariat kein Zins der Realkapitalien, ohne Zins kein Geldumlauf, ohne Geldumlauf kein Warenumsatz, und als Folge davon Verarmung.

In anderen Zeiten hat das Schwert zweifellos an der Schaffung des Proletariats kräftig mitgewirkt. Auch Thron (Gesetze) und Altar sind fleißig daran beteiligt gewesen. Auch heute noch sucht man die Grundrente unter den Schutz der Gesetze zu stellen und durch Kornzölle dem Volke die Waffen zu entreißen, die es sich für den Kampf gegen die Grundrente in Form von Schiffen, Eisenbahnen und landwirtschaftlichen Maschinen geschmiedet hat. (Siehe Teil I.) Dem Recht auf Arbeit und Brot stellt man das Recht auf Grundrente entgegen. Aber auch ohne diese Hilfe wäre das Kapital nicht um einen einzigen Proletarier ärmer. Wäre die Hilfe von Schwert und Gesetz ausgeblieben, so hätten wir an deren Stelle ein paar Wirtschaftskrisen, einige tausend überschüssige Arbeiter mehr gehabt. Das Ge1dkapital braucht nicht Schwert und Gesetz, um das nötige Proletariat für die Realkapitalien zu schaffen; es trägt die dazu nötigen Kräfte in sich selbst. Mit der Wucht einer Naturkraft schafft es sie. Metallgeld und Proletarier sind unzertrennlich.

Das sogenannte Realkapital besteht sicher aus sehr realen und unentbehrlichen Gegenständen, aber als Kapital sind diese Gegenstände nichts weniger als real. Der Zins, den sie heute abwerfen, ist ein Geschöpf des Urkapitals, des Geldes.

(1) Hiernach müßte der Verbraucher regelmäßig mehr Geld ausgeben als er als Erzeuger einnimmt. Dieses Mehr, aus dem Urzins bestehend, verschafft sich der Erzeuger dadurch, daß er mehr Ware verfertigt und verkauft, als er kauft. Das Mehr, das so die Erzeuger hervorbringen, wird von den Geldbesitzern für persönlichen Bedarf gekauft, und zwar gerade mit dem Geld, das sie als Zins erheben. Mit den Handelsunkosten, die der Verbraucher bezahlt, verhält es sich ebenso.

(2) Wir werden noch sehen, daß diese Erhebungskosten durchaus nicht so gering sind; sie bestehen in der Hauptsache aus den Verwüstungen, die die Krisen in der Volkswirtschaft anrichten.

(3) Ich gebrauche diesen Ausdruck ungern, weil er vieldeutig ist. Besser ist es vom Preis zu sprechen, den der Unternehmer den Arbeitern für ihre Erzeugnisse bezahlt. Denn nur diese, die fertige, greifbare Leistung bezahlt der Unternehmer, nicht die Tätigkeit der Arbeiter.

(4) Proletariat = die der eigenen Produktionsmittel entblößten Arbeiter

 

*) Ich habe das folgendermaßen ausgedrückt:

Schauen wir uns aber die Sachlage noch einmal in der Darstellung des Tauschvorganges mit Hilfe des Geldes an . W - G -W. Diese Darstellung ist nur dann richtig, wenn wir Geld als neutrales Zwischentauschmittel ansehen. Nun wissen wir aber das es das nicht ist. Es hat den Vorteil der Dauerhaftigkeit gegenüber den Waren. ( Hohe Inflation als Sonderfall und Kapitalvernichtungsmethode ausgeschlossen). Die Darstellung müßte also folgendermaßen aussehen : W - ( G + z ) - W. Hier steht klein z für den Zins, der unsichtbar als Obolus bei jeden der Milliarden individueller Tauschvorgänge an das Geld abgeführt werden muß. In diesem unscheinbaren kleinen z liegt die Ursache der Ausbeutung, der Grund der periodischen Krisen der Wirtschaft und der Arbeitslosigkeit. Es sehen das aber sehr wenig Menschen, weil es sich ja nur recht bescheiden in einem 3 bis 5 prozentigen Preisabschlag ausdrückt, den der jeweilige Geldbesitzer dem Warenanbieter abpressen kann.

Der Sozialist Proudhon erkannte das als einer der ersten und bezeichete deshalb das Geld als Riegel zum Markt. Unabhängig von ihm erkannte Silvio Gesell das auch und fand die Lösung des Problems durch die Gleichstellung des Geldes zu den mit ihm zu tauschenden Waren.

Maynard Keynes sah als Nichtkaufmann diese Zusammenhänge nicht und glaubte darum die Ursache des Zinses in der Liquiditätspräferenz der Geldbesitzer gefunden zu haben. Daß die Überwindung dieser Liquiditätspräferenz durch eine Inflation in gleichen Ausmaß den Zins nicht beseitigt hat, obwohl das nach seinen Anleitungen für Jahrzehnte versucht wurde, sollte die Irrigkeit der Anschauungen von Keynes in der Zwischenzeit offenkundig gemacht haben. Diese Liquiditätspräferenz würde auch in dem Augenblick verschwinden in dem das Bargeld  durch die Umlaufsicherung dieselben Aufbewahrungskosten hätte als es die Waren von Natur aus haben.

 

 

 

19) Vom ersten bis zum letzten Mann!

Die Wirtschaftswissenschaft geht immer von einem logischen homo economicus aus, der danach handelt, was er als seinen Vorteil ansieht, erklärt aber nie die Zusammenhänge, wie die Wechselbeziehung zwischen ökonomischen Gegebenheiten und wirksamen Kräften mit den Akteuren im Wirtschaftsgeschehen von statten geht. Darum soll hier der kurze Versuch gemacht werden, die psychologischen Beweggründe einiger Wirtschaftsteilnehmer für ihre Handlungen zu untersuchen.

Da ist zuerst einmal der erste Mann. Er hat ein Vermögen, welches nicht zum Verbrauch bestimmt ist. Auf welchen Weg er dazu gekommen ist, ist hier nebensächlich. Ob er oder seine Vorfahren es zusammengeraubt oder gestohlen haben, ob es automatisch durch Zins und Zinseszins gewachsen ist, ob er Glück im Spiel gehabt hat, oder es vielleicht sogar erarbeitet und erspart hat, ist für die Erkenntnis der Zusammenhänge bedeutungslos.

Jedenfalls will er aber dieses Vermögen erhalten und vermehren. Das passiert aber nicht von selber, außer vielleicht mit der Ausnahme von Waldbesitz. Nun hat alles Vermögen in unserer heutigen Wirtschaftsform einen Geldwert. Das heißt, man kann es gegen Geld verkaufen, genau so wie man umgekehrt mit Geld Realvermögen kaufen kann. Der Einfachheit halber nehmen wir für unsere Untersuchung deshalb nur Geldvermögen an.

Da hat unser erster Mann also mehr Geld, als er für seinen täglichen Bedarf braucht und will sein Vermögen erhalten und, wenn möglich, vermehren. Der einfachste Weg, das ohne eigene Arbeit zu tun, ist, wenn er es einem zweiten Mann gibt, der es für ihn aufbewahrt, es verwendet, und ihm Zinsen dafür zahlt. Es hat sich eingebürgert, daß dieser zweite Mann meistens ein Bankier ist, der dann dieses Geld gegen höhere Zinsen weiter verleiht. Um den ersten Mann seine Zinsen zu zahlen und weil er selber ja nur Mittelsmann ist, braucht der aber den dritten Mann, der sich das Geld ausleiht.

Dieser dritte Mann kann aber die Zinsen nur dann auf Dauer bezahlen, wenn er mit Hilfe des Geldes Kapitalgüter kauft, die ihm mehr einbringen, als er Zinsen zu zahlen hat. Es sei ausdrücklich gesagt: auf Dauer, denn natürlich kann jemand auch Geld leihen für Konsumzwecke, aber damit kauft er nur Zeit und muß später seinen Konsum einschließlich der Zinsen aus seinem Einkommen bezahlen.

Für tatsächlich volkswirtschaftlich ins Gewicht fallende Summen gilt jedenfalls, daß der dritte Mann nur dann Schulden macht und Zinsen dafür bezahlt, wenn er sicher ist, mehr als die Zinsen erwirtschaften zu können. Am deutlichsten ist das beim Handelskapital. Ein Kaufmann wird nur dann mit Hilfe eines Kredites etwas kaufen, wenn er sicher sein kann, es mit genügend Gewinn wieder verkaufen zu können. Tut er das nicht, oder täuscht er sich, wird er schnell zahlungsunfähig sein.

Natürlich könnte der dritte Mann auch einen vierten finden, der ihm das Geld für noch höhere Zinsen abnimmt aber das wird eher selten sein, denn wenn dieser vierte Mann ein gutes Risiko darstellt, bekommt er das Geld auch vom zweiten Mann. Der dritte Mann muß also einen letzten Mann (oder einen vorletzten Zwischenhändler) finden, der ihm seine Waren abkauft und damit Geld ins Haus des dritten Mannes bringt für die Zahlung der Zinsen und die Rückzahlung des Kredites.

Dieser letzte Mann ist in meisten Fällen ein Frau, wie auch die vorhergehenden Männer nicht unbedingt Männer sein müssen.

Ohne diesen letzen Mann/Frau, der sein Geld auf den Markt bringt und dort die angebotenen Waren kauft, kann auch der erste Mann sein Geld nicht verleihen und Zinsen dafür verlangen.

Der letzte Mann bestimmt, was und zu welchen Preis etwas erzeugt und verkauft werden kann, denn er ist es, der auf dem Markt Platz für neue Waren schafft. Damit ermöglicht er es dem dritten Mann für seine Güter einen Bedarf vorzufinden und das bringt die Voraussetzung, daß dieser vom zweiten Mann Geld borgen kann und dieses Geld ist das Geld des ersten Mannes.

Damit ist eigentlich der gesamte Kreislauf beschrieben, aber da bekanntlich der Teufel im Detail versteckt ist, muß nun untersucht werden, warum dieser letzte Mann nie genügend Geld hat, um auf dem Markt wirklich genügend Platz zu schaffen. Ist da irgend ein Loch in welches der Geldstrom versickert? Kann man dieses Loch stopfen? Oder genügt es das versickerte Geld durch neues zu ersetzen? Welches Resultat ergibt so ein Ersatz?

Welchen Einfluß haben allgemein fallende oder steigende Preise auf das Verhalten der Marktteilnehmer? Warum fallen oder steigen Preise im Allgemeinen? Einzelne Preise steigen bei größerer Nachfrage und geringeren Angebot und fallen bei geringerer Nachfrage und größeren Angebot. Welcher gemeinsame Nenner ist da gegeben, wenn alle Preise fallen oder steigen? Ist Wirtschaften bei stark (mehr als 5% im Jahr) fallenden Preisen überhaupt noch möglich?

Das sind alles Fragen, deren Beantwortung erst möglich geworden ist, wenn wir die Auswirkungen auf das Verhalten der Wirtschaftsteilnehmer gelernt haben zu sehen und auch sehen, welche Abhängigkeiten unter ihnen bestehen. Erschwert wird diese Erkenntnis dadurch, daß ja manchmal unser erster Mann auch als Konsument, also als letzter Mann auftritt, wie umgekehrt der letzte Mann, wenn er nur lange genug spart auch zum ersten Mann werden kann und sich daher ihre Verhaltensweisen entsprechend verändern können.

Eines ist jedenfalls sicher. Die Menschen passen ihr Verhalten an die veränderten Gegebenheiten an und verändern damit auch die Gegebenheiten und wer das außer acht läßt, muß mit noch so ausgewogenen (5 Jahres)-Plänen Schiffbruch erleiden.

 

 

20) Hohe Einzelpreise, hoher Preisstand.

Vom Standpunkt eines Kaufmannes, und das ist wohl der einzige Standpunkt, der in dieser Beziehung wirklich relevant ist, ist ein hoher Einzelpreis der Preis eines Gutes, der wesentlich über den aller Kosten liegt, die notwendig sind dieses Gut auf den Markt zu bringen. Ist so ein Preis generell auf dem Markt erzielbar, hat das die wirtschaftliche Folge, daß sich das Angebot so eines Gutes steigert.

Dieses größere Angebot übt nach dem Gesetz von Angebot und Nachfrage einen Druck auf den Preis aus und selbst wenn dann ein niedriger Preis neue Nachfrage bringt, ist früher oder später ein Preis erreicht, der die Kosten kaum mehr deckt und selbst, wenn er es noch tut, findet der Kaufmann dann andere Güter, bei denen im Verhältnis zu den Kosten noch ein höherer Preis erzielbar ist. Er setzt sein Kapital dann lieber dort ein und vermindert seine Nachfrage nach dem Gut, welches ihm keine oder eine zu geringe Gewinnspanne verspricht. Das drückt aber wiederum den Preis dieses Gutes im Vorfeld des Letztverkaufes und da diese Güter durch mangelnden Nachkauf nun am Letztverkäufermarkt weniger angeboten werden, kann wieder ein besserer Preis erzielt werden.

Einen freien Markt vorausgesetzt kann es eigentlich keine dauerhaft hohen Preise geben, weil hohe Preise automatisch neue Anbieter auf den Markt bringt, die auch davon profitieren wollen und weil dann das größere Angebot den Preis drückt.

Der einzige Weg, wie ein Anbieter von Gütern dieser Gesetzmäßigkeit ausweichen kann, ist durch Ausschaltung der Konkurrenz anderer Anbieter und da haben die Menschen eine Unzahl von Methoden entwickelt, es zu tun. Monopole, Kartelle, Zünfte, Gewerkschaften, geschlossene Berufsgruppen mit Monopolcharakter, Gewerbeberechtigungen, die eigentlich Gewerbeverhinderungen genannt werden sollten, Zölle, um die ausländische Konkurrenz auszuschalten und sonstige Gewerbebehinderungen aller Art. Alles natürlich nur, um die breite Masse vor unscrupulosen Anbietern von Substandardwaren zu schützen. Die große Masse der Ungewaschenen muß ja beschützt werden, weil sie sonst nicht merken, wenn ihnen jemand stinkende Fische andrehen will.

Das ganze System ist so gut eingespielt, daß praktisch alle Güter einen derart hohen Preis erzielen, daß aller technischer Fortschritt sich nur in unbedeutenden Teilbereichen als Verbilligung bemerkbar macht. Ja, technisches Spielzeug wird billiger, aber ansonsten hatte ein Bergknappe des Mittelalters denselben oder sogar einen besseren Lebensstandard als ein heutiger Industriearbeiter, von denen in der dritten Welt erst gar nicht zu reden.

Der allgemeine Preisstand ist also im Vergleich zum Arbeitsertrag zu hoch. Nun sind zwar die Arbeitskosten auch ein Bestandteil in den Preisen, aber der Löwenanteil sind andere Kosten und da die Bezieher diese anderen Kostenanteile oft nicht einmal Nachfrage nach den auf dem Markt angebotenen Gütern halten, ergibt sich da ein Nachfrageausfall, der dann verschönigend als Überangebot an Waren und Dienstleistungen bezeichnet wird, wobei das Überangebot an Dienstleistungen Dauerarbeitslosigkeit bedeutet..

Wenn wir also eine Änderung des derzeitigen Systems anstreben, müssen wir unser Augenmerk auf die anderen Kostenanteile in den Preisen richten. Nur dort kann der Ansatzpunkt für eine Veränderung gefunden werden und deshalb wollen wir sie hier ohne Wertung einmal aufzählen. Materialkosten, Steuern, Kapitalkosten, Monopolpreisvorteil (eingeschlossen darin Kartellpreise und andere Preisvorteile durch Ausschaltung oder Behinderung von Konkurrenz) Standortkosten, Transportkosten, Lohnnebenkosten, andere Betriebskosten, Verwaltungskosten und natürlich auch Gewinn.

Bei welchen dieser Kosten angesetzt werden kann und welche verringert oder ausgeschaltet werden können, ist die offene Frage, aber daß es getan werden muß ist keine Frage.

Zusammenschließend muß aber noch bemerkt werden, daß höhere Einzelpreise, selbst wenn es sich bei ihnen um bedeutende Preise wie Öl oder Weizen handelt keinesfalls einen höheren Preisstand bedeuten müssen und da ein höherer Preis bei einem Gut wegen der Begrenzung der Einkommen Einsparnisse bei anderen Gütern und damit wegen mangelnder Nachfrage einen sinkenden Preis bei denen erzwingt, ist auch meist ein Ausgleich gegeben, solange nicht durch Vermehrung des Tauschmittels ein allgemein steigender Preisstand, also Inflation, gemacht wird.

Welche psychologischen allgemein steigende Preise auf das Kaufverhalten der Menschen und damit auf die Nachfrage haben, ist schon in anderen Beiträgen behandelt worden

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21) Fallende Einzelpreise, sinkender Preisstand.

Ähnlich wie bei steigenden Preisen ist das Fallen einzelner Preise, solange es durch höhere Preise bei anderen Gütern aufgewogen ist, von keiner Bedeutung auf den allgemeinen Preisstand. Wenn jemand etwas billiger bekommt, verwendet er das verbleibende Geld meisten zum Kauf anderer Güter, deren Nachfrage dadurch erhöht wird und dem Verkäufer einen höheren Preis erlaubt. Es steigen also diese Preise. Der einzige Grund für allgemein sinkende Preise ist ein Rückzug des Tauschmittels Geld vom Markt. Ob nun die Regierung oder die Nationalbank Geld einzieht, um die „Inflation" zu bekämpfen , oder der Grund dafür ist, daß nicht genug Gold zur vermeintlich notwendigen Deckung vorhanden ist, ist an sich bedeutungslos.

Genau dasselbe Resultat wird erreicht, wenn viele Leute einfach ihr Geld zurückhalten. Das ist aus psychologischen Gründen oft der Fall, wenn die Preise im Allgemeinen fallen. Da wartet man lieber bis nicht unbedingt notwendige Güter noch billiger werden. Fallen die Preise im Allgemeinen erst einmal, ergibt sich so ein Verstärkungseffekt und die Nachfrage sinkt. Dieser Verstärkungseffekt ist übrigens im umgekehrten Fall, bei steigenden Preisen, auch gegeben. Nur kauft dann jeder noch schnell, bevor die Sachen noch teurer werden und erhöht damit die Nachfrage. Das kann er natürlich nur im Rahmen seines Einkommens auf die Dauer tun, denn auch Kredit muß eines Tages aus diesem Einkommen zurück bezahlt werden.

An sich sind das derartige Binsenweisheiten, daß es unverständlich ist, warum unsere Wirtschaftswissenschaft nicht zugeben will, daß Vermehrung der Geldmenge Inflation oder allgemein steigende Preise bringt und Verminderung der Geldmenge (auf dem Markt) sinkende Preise und Deflation. Da drucken sie im einen Fall Geld auf Teufel komm raus, weil die Wirtschaft bei steigenden Preisen ja mehr Geld braucht und ziehen im gegenteiligen Fall Geld ein, weil ja bei sinkenden Preisen weniger gebraucht wird und wollen nicht zugeben, daß diese Maßnahmen ja gerade diese Auswirkungen haben.

Manchmal muß man wirklich daran zweifeln ob homo sapiens die richtige Bezeichnung für solche Leute ist. Anscheinend glauben sie, daß Geld (oder Gold) ein von jeglichen Sachzwängen losgelöster Preismaßstab ist, der nicht dem Gesetz von Angebot und Nachfrage unterliegt, andererseits sehen sie aber doch, daß der Geldwert sinkt, wenn zu viel davon gedruckt wird um aber sofort darauf ein Steigen des Geldwertes als Folge von Geldrückzug abzuleugnen.

Die einfache Tatsache, daß eine Erhöhung der Geldmenge höheren allgemeinen Preisstand, also Inflation bedeutet und daß eine Verringerung der Geldmenge sinkende Preise und Deflation verursacht, darf auf keinen Fall zugegeben werden. Warum wohl nicht?

Die Antwort darauf ist eigentlich recht einfach. Weil die Nationalbanken und die sie beratenden Wirtschaftsfachleute dann keine Ausrede mehr dafür hätten für ihre Unfähigkeit Geld mit einem festen Preisstand herauszugeben.

 

 

22) Das ausgeglichene Budget!

Vor kurzem haben die vereinigten Staaten zum ersten Mal seit dreißig Jahren ein ausgeglichenes Budget vorgelegt. Damit haben sie die Wiederwahl der Regierung gesichert.Auch sonst wird weltweit oft aus wahltechnischen Gründen ein ausgeglichenes Budget oder gar ein Budgetüberschuß von den Regierungen angestrebt und bei Erreichen weidlich zum Stimmenfang ausgeschlachtet. Was ist aber ein ausgeglichenes Budget?

Ganz einfach! Es ist der Ausgleich der Einnahmen und Ausgaben eines laufenden Jahres. Das ist alles! Die Regierung hat also bei einem ausgeglichenen Budget nicht mehr ausgegeben als sie eingenommen hat. Das klingt recht gut und meistens nimmt die Selbstgratulation der Politiker für diese Ruhmestat auch kein Ende.

Was bedeutet ein ausgeglichenes Budget aber wirklich im volkswirtschaftlichen Sinn? Gar nichts! Im Gegenteil! Ein ausgeglichenes Budget ist nicht notwendigerweise mit Hilfe creativer Buchhaltung gemacht, aber die Regierung kann durch neue Schulden jedes Budgetloch stopfen und sie tut das auch meistens. Das ist so als wenn sich ein Bankrotteur Millionen ausleiht aber nicht alle ausgibt. Er hat dann einen Überschuß.

Deshalb ist ein ausgeglichenes Budget oder gar ein Budgetüberschuß eher schädlich, weil dadurch die Politiker verleitet werden noch mehr Versprechen zu machen. Die Interessengruppen verlangen ebenfalls immer mehr. Es ist ja anscheinend Geld da für die Erfüllung ihrer Wünsche. Da fragt dann niemand, wer letzten Endes alles bezahlen muß.

Ein unausgeglichenes Budget zwingt eine Regierung zur Abdeckung des Fehlbetrages neue Schulden zu machen oder Steuern zu erhöhen und das fällt natürlich jedermann auf und wenn sonst niemand, dann zeigt die Opposition immer darauf hin. Das ist ein gewisser Hemmschuh.

Wenn man aber während des Jahres heimlich, still und leise Vermögenswerte "reprivatisiert" und dann noch Schulden macht auf Teufel komm raus und legt dann ein ausgeglichenes Budget vor, dann ist man der Held der Stunde und das Vertrauen ist wieder hergestellt um neue , noch größere Schulden zu machen. Die Zinsen für alle diese Schulden der Staaten, und das gilt für alle Staaten dieser Welt, werden seit Jahren nur durch neue Schulden bezahlt und deshalb wachsen diese Schulden durch Zins und Zinseszins ins Astronomische. Solange die Gläubiger das hinnehmen und sich mit Papiergewinnen an den Börsen zufrieden geben, treten diese Gelder ( und es handelt sich dabei um Geldguthaben für die notfalls auch neues Bargeld gedruckt wird) nicht kaufkraftwirksam auf dem Sachgütermarkt auf und der unvermeidliche Krach wird wieder etwas hinausgeschoben.

Wir sind jetzt an dem Punkt angelangt, wo die Schulden nie mehr zurückgezahlt werden können und es ist nur mehr eine Frage der Zeit wann der Zeitpunkt gekommen ist an dem diese Schulden durch eine Hyperinflation beseitigt werden müssen. Es sind unabwendbare Sachzwänge, die uns darauf hinführen und es wäre klug sich auf das Unvermeidbare vorzubereiten.

Was kann der Einzelne aber tun? Als erstes muß man dafür sorgen, daß man weitgehendst unabhängig ist vom staatlichen Tauschmittel. Es wird wertlos werden und es kann dann seine Funktion als Tauschmittel nicht mehr ausüben. Alle in Geld ausgedrückten Vermögenswerte, wie Sparkonten, Schuldverschreibungen werden ebenfalls wertlos, wie es in Deutschland 1923 geschah. Gold und Silber werden zwar einen gewissen Wert behalten aber ihr Tauschwert gegenüber Lebensnotwendigkeiten wird nicht sehr groß sein. Ein Verhungernder gibt sein ganzes Gold für ein Stück Brot.1)

Die Leute, die von Zahlungen durch den Staat, wie Altersrenten und dergleichen abhängig sind, stehen auch vor einem Dilemma. Sie können immer weniger dafür kaufen und sind wahrscheinlich verhungert bis ein neues Tauschmittel geschaffen ist, wenn sie nicht zur Selbsthilfe greifen.

Diese Selbsthilfe ist erstens dadurch möglich, daß sie so weit wie möglich zu Selbstversorgern werden, die auch für längere Zeit so überleben können und zweitens indem sie sich an eine Tauschgesellschaft anschließen. Das sollten sie allerdings lange vor dem Krach tun. Es ist nämlich gar nicht so einfach schnell den Austausch lebenswichtiger Güter zu organisieren. Zwar hat jederman irgend ein verkaufsfähiges Talent und sei es auch nur die Fähigkeit anderen Leuten Arbeiten wie Hausputz und Babysitten abzunehmen aber Angebot und Nachfrage müssen sich finden können und ohne Tauschmittel ist das schwer.

Das ist wesentlich leichter wenn man ein Tauschmittel zwischen den Täuschen einschaltet wie es auch jetzt im Allgemeinen gemacht wird Leider.versagt aber dieses Tauschmittel Geld in periodischen Abständen entweder durch Deflation oder durch hohe Inflation. Das ist es ja wovor wir uns schützen wollen.

Weil die schleichende Inflation in einem großen Markt die Wirtschaft belebt und fast jederman eine Nische für sich finden kann ist es aber gar nicht so einfach genügend Leute auch nur für einen lokalen Selbsthilfeverband zusammen zu bekommen. Es muß aber ein Markt organisiert werden, wo sich möglichst viele Anbieter und Nachfragende von Gütern und Leistungen treffen können. Und das muß bald getan werden. Die Arche sollte vor der Sintflut gebaut werden.

 

1) John.K.Galbraith schreibt da in "Everyone´s guide to economics" Seite 81 : Gold wird gehalten für den Tag an dem alles andere krachen geht und da ist dann noch immer dieses liebliche gelbe Metall. Wenn der Tag kommt, und ich würde allen Vorkehrungen dagegen nahelegen, da könnte einige Enttäuschung sein. Nahrungsmittel und warme Kleidung werden die Sache sein. Gold ist schwer zu essen und kalt anzuziehen.

1) Orginaltext: Some gold is held against the day when everything else is expected to go phut but there will still be that lovely yellow metal. When that day comes, and I would urge all precautions against it, there may be some disappointment. Food will be the thing and warm clothing. Gold will be hard to eat and cold to wear.

 

(Viel besser als meine holprige Uebersetzung und wenn ich auch sonst nicht in allem mit Galbraith übereinstimme - da hat er recht!)

Ich kann mich nicht mehr erinnern, wofür ich diesen Beitrag einmal geschrieben habe, aber als ich ihn jetzt in den Eingeweiden meines Computers wiederfand, dachte ich, daß er nun, am Vorabend des Y2K, der den Tag an dem alles, wie Galbraith so nett gesagt hat "phut" geht, schneller bringen könnte als wir glauben, wieder relevant geworden ist.

23) Geld versus Waren

 

Silvio Gesell fand heraus, daß das Geld den Waren überlegen ist und daß diese Überlegenheit die Grundursache der Zinsen ist.. Aus dieser Grunderkenntnis ergeben sich seine gesamten wirtschaftlichen Schlußfolgerungen und seine Lösungsvorschläge. Deshalb ist es notwendig diese Überlegenh